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Häufige Ernährungsfehler in der Beratung

Unbemerkte Ernährungsfehler beeinflussen Verdauung, Stoffwechsel und Wohlbefinden. Welche Muster in der Beratung besonders häufig sind und wie wir sie gezielt erkennen und ansprechen können.
häufige Ernährungsfehler

In der Ernährungsberatung geht es nicht nur darum, allgemeine Empfehlungen zu geben, sondern vielmehr darum, individuell herauszufinden, welche Ernährungsfehler Patient:innen oder Klient:innen tatsächlich machen. Denn viele Menschen wissen theoretisch, was „gesunde Ernährung“ bedeutet, setzen sie jedoch im Alltag nicht um oder haben Gewohnheiten, die langfristig problematisch sind. 

Für uns Ärzt:innen, Therapeut:innen und Berater:innen stellt sich daher nicht nur die Frage, wie wir Patient:innen und Klient:innen dabei unterstützen, eine darmfreundliche Ernährung in ihren Alltag zu integrieren. sondern auch zu erkennen, welche Fehler häufig vorkommen, und wie sie in der Beratung erkannt und sinnvoll adressiert werden können.

Wenn Essen zur Nebensache wird: Die Folgen von schnellem Essen

Ein weit verbreitetes Problem in der heutigen Zeit ist das schnelle und unachtsame Essen. Viele Menschen essen unter Zeitdruck – im Gehen, während der Arbeit oder nebenbei am Computer. Diese Gewohnheit führt nicht nur dazu, dass Mahlzeiten hastig hinunter geschlungen werden, sondern auch dazu, dass das Essen oft nicht mehr bewusst wahrgenommen wird.

Wer schnell isst, kaut automatisch weniger, wodurch die Nahrung nicht ausreichend zerkleinert und eingespeichelt wird. Dies hat gleich mehrere negative Folgen:

  • Die Sättigung setzt zu spät ein: Der Körper benötigt etwa 20 Minuten, um Sättigungssignale zu senden. Wer in dieser Zeit zu viel isst, nimmt unbewusst größere Mengen zu sich. .
  • Die Verdauung wird belastet: Unzureichend gekaute Nahrung kann den Magen und den Dünndarm stärker beanspruchen, da die mechanische Vorverdauung im Mund fehlt.
  • Völlegefühl und Blähungen treten häufiger auf: Patient:innen oder Klient:innen berichten oft von Beschwerden nach dem Essen, ohne den Zusammenhang mit ihrer Essgeschwindigkeit zu erkennen.

Tipps zum Erkennen und Gegensteuern in der Beratung

Als Fachkräfte können wir diesen Ernährungsfehler nicht nur durch gezielte Befragung, sondern auch durch Beobachtung aufdecken. In Gesprächen über den Alltag geben Patient:innen oder Klient:innen oft Hinweise auf ihre Essgewohnheiten. Typische Aussagen wie „Ich esse einfach, wenn es gerade passt“ oder „Ich brauche mittags nur fünf Minuten“ zeigen, dass Essen oft keine bewusste Tätigkeit mehr ist.

Tipps für die Beratung

Da allein der Hinweis, langsamer zu essen, oft nicht ausreicht, können konkrete Strategien helfen:

  • Bewusstes Kauen üben: Patient:innen oder Klient:innen können dazu angeleitet werden, bei einer Mahlzeit pro Tag jeden Bissen bewusst 20- bis 30-mal zu kauen. Dieses Verhalten kann dann wunderbar in Situationen, in denen man alleine isst, geübt werden. 
  • Essenszeiten klarer strukturieren: Regelmäßige Mahlzeiten, die auch an Uhrzeiten gebunden sind, und geplante Pausen zwischen den Mahlzeiten helfen, das Essen wieder bewusst wahrzunehmen.
  • Reflexion durch einfache Fragen anregen: „Wie fühlt sich mein Magen nach dem Essen an?“ oder „Wie schnell esse ich im Vergleich zu anderen?“ können helfen, das Essverhalten bewusster zu steuern.

Diese Maßnahmen sind gerade dann sinnvoll, wenn Patient:innen oder Klient:innen über unspezifische Verdauungsprobleme, Energietiefs oder ein ständiges Hungergefühl klagen.

Unregelmäßige Mahlzeiten: Warum der Körper Struktur braucht

Nicht nur wie gegessen wird, sondern auch wann, spielt eine zentrale Rolle. Viele Menschen essen nicht nach einem festen Rhythmus, sondern „wenn es eben passt“. Während manche Mahlzeiten ausfallen, gibt es dafür abends eine große Portion – oft die größte des Tages.

Diese fehlende Regelmäßigkeit und Verschiebung in den Abend belastet den Stoffwechsel und kann langfristig negative Effekte auf die Verdauung, den Blutzuckerspiegel und das allgemeine Wohlbefinden haben. 

  • Mahlzeiten werden oft ausgelassen oder unstrukturiert konsumiert: Manche Patient:innen oder Klient:innen frühstücken nicht, andere essen erst spät am Vormittag, oft nur einen schnellen Snack.
  • Lange Essenspausen führen zu unkontrolliertem Hunger: Wer Mahlzeiten auslässt oder stark variiert, erlebt häufiger Heißhunger und isst dann unbewusst mehr.
  • Abendmahlzeiten sind oft die größten Mahlzeiten des Tages: Wer tagsüber wenig isst, neigt dazu, am Abend größere Mengen aufzunehmen.

Gerade das späte Essen ist ein oft unterschätztes Problem. Der Verdauungstrakt ist abends nicht mehr so aktiv wie tagsüber. Wer regelmäßig spät isst, belastet den Stoffwechsel und riskiert eine schlechtere Nährstoffaufnahme, Verdauungsprobleme sowie Schlafstörungen. Viele Patient:innen berichten über nächtliches Erwachen oder unruhigen Schlaf, ohne den Zusammenhang mit späten Mahlzeiten zu erkennen.

Tipps für die Beratung

Anstatt Patient:innen oder Klient:innen feste Essenszeiten vorzugeben, ist es effektiver, gemeinsam herauszuarbeiten, welche Mahlzeiten sich gut in ihren Alltag integrieren lassen und wo kleine Veränderungen möglich sind. Besonders hilfreich kann sein: 

  • Die letzte große Mahlzeit schrittweise nach vorne zu verlegen, um der Verdauung nachts genug Zeit zu geben. Ob man z.B. um 21 Uhr oder um 19 Uhr das letzte Mal eine Mahlzeit isst, kann bereits einen Unterschied machen. 
  • Tagsüber bewusst ausgewogene Mahlzeiten einzuplanen, sodass der Blutzuckerspiegel stabil bleibt und Heißhungerattacken am Abend vermieden werden.
  • Gemeinsam zu reflektieren, welche äußeren Faktoren das späte Essen fördern – etwa Stress, Zeitmangel oder fehlende Alternativen.

Diese Anpassungen können schrittweise erfolgen und müssen individuell abgestimmt sein, um eine langfristige Umsetzung zu ermöglichen. 

Snacks, die zur Belastung werden

Viele Patient:innen oder Klient:innen glauben, sich bewusst zu ernähren, bemerken aber nicht, dass sie über den Tag verteilt immer wieder kleine Mengen zu sich nehmen. Ein Cappuccino mit Milch, eine Handvoll Nüsse, ein Apfel oder ein paar Kekse – all das sind scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten, die sich in der Summe jedoch zu einer dauerhaften Belastung für den Stoffwechsel entwickeln. 

Der Körper benötigt nach jeder Mahlzeit mehrere Stunden, um die Nahrung vollständig zu verdauen. Wenn ständig neue Nahrung zugeführt wird, bleibt der Verdauungstrakt dauerhaft aktiv, ohne je eine echte Pause zu bekommen. Dies kann langfristig zu einem instabilen Blutzuckerspiegel, Verdauungsproblemen und einer schlechteren Verwertung von Nährstoffen führen. 

Tipps für die Beratung

Patient:innen oder Klient:innen nehmen dieses ständige Snacken oft selbst nicht als Problem wahr, da es zur Routine geworden ist. Ein einfacher erster Schritt ist das Führen eines Ernährungsprotokolls, das nicht nur Hauptmahlzeiten, sondern auch alle kleinen Snacks zwischendurch erfasst. 

Darauf aufbauend können konkrete Strategien besprochen werden: 

  • Feste Essenspausen von 3-4 Stunden zwischen den Mahlzeiten etablieren, um dem Körper echte Verdauungspausen zu ermöglichen. Sollten Patient:innen oder Klient:innen bereits nach zwei Stunden wieder Hunger bekommen, war ihre Mahlzeit womöglich nicht sättigend oder ausgewogen genug.
  • Alternativen zu gewohnten Snacks aufzeigen, die sättigend wirken und weniger häufig konsumiert werden müssen.
  • Das natürliche Hungergefühl wieder bewusst wahrzunehmen, anstatt aus Gewohnheit oder Langeweile zu essen.
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Nachhaltige Veränderung durch Bewusstsein

Viele Ernährungsfehler entstehen nicht aus Unwissenheit, sondern aus tief verwurzelten Gewohnheiten. Für uns als Ärztinnen, Therapeut:innen oder Berater:innen bedeutet das, dass reine Informationsvermittlung oft nicht ausreicht – nachhaltige Veränderung entsteht vor allem durch Bewusstseinsbildung

Statt starre Regeln aufzustellen, ist es effektiver, mit Patient:innen oder Klient:innen ihre individuellen Routinen zu reflektieren und kleine, realistische Anpassungen zu finden, die sich in den Alltag integrieren lassen. Wer versteht, warum eine bestimmte Gewohnheit problematisch ist, kann sie leichter verändern – nicht durch Verbote, sondern durch das Erkennen der Motive und bewusste Entscheidungen. Die Aufgabe von uns sollte es sein, diesen Prozess zu begleiten und zielgerichtete, aber alltagstaugliche Impulse zu setzen

Nächster Start am 18. September 2025

Ernährung ganzheitlich verstehen – und gezielt in die Therapie integrieren

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